
Die Finanzierung für sogenannte sektorübergreifende Versorgungseinrichtungen steht und damit wird aus einem bislang eher theoretischen Modell der Krankenhausreform eine konkrete Option für das Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, Kreiskrankenhaus im Landkreis Forchheim. Für den Standort Ebermannstadt könnte sich daraus ein interessanter neuer Weg ergeben: die Weiterentwicklung zu einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft, GKV-Spitzenverband und der Verband der Privaten Krankenversicherung haben sich am 28. Aug. 2026 auf die Vergütung der neuen sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen (SüV) geeinigt. Ich persönlich finde das Wort SüV nicht positiv belegt, deshalb verwende ich lieber synonym den Begriff ‚Regio-Klinik‘, denn auch ein SüV bleibt ein Krankenhaus im Krankenhausplan. Die ersten Häuser sollen ab Januar 2027 starten. Ziel ist eine neue Form der wohnortnahen Basisversorgung, die stationäre Behandlung mit ambulanten und pflegerischen Angeboten stärker verbindet. Gerade kleinere Krankenhäuser sollen dadurch eine Perspektive erhalten.
Das Konzept ist bewusst anders angelegt als das klassische kleine Krankenhaus: Ein SüV konzentriert sich auf häufige, weniger komplexe internistische und geriatrische Erkrankungen. Hochkomplexe Behandlungen, Intensivmedizin oder komplexe Notfallversorgung werden dagegen an größere, spezialisierte Krankenhäuser verwiesen. Gleichzeitig können haus- und fachärztliche, ambulante und pflegerische Angebote unter einem Dach gebündelt werden.
Es lohnt sich: ein Blick nach Ebermannstadt
Der Standort Ebermannstadt des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz hat sich 2026 grundlegend verändert. Die interventionelle Kardiologie einschließlich Herzkatheterversorgung wurde im Frühjahr an den Standort im 10 km entfernten Forchheim verlagert. Damit ist jener hochspezialisierte Leistungsbereich weggefallen, der zu einem SüV ohnehin nicht passen würde.
Zurück bleibt jedoch keineswegs ein Standort ohne Perspektive. Im Gegenteil: Ebermannstadt verfügt bereits heute über viele Strukturen, die geradezu prädestiniert für eine sektorenübergreifende Versorgung erscheinen. Außerdem liegt Ebermannstadt geographisch im nordöstlichen Teil des Landkreis Forchheim und kann den ländlichen Raum mitversorgen.
Dazu gehören Innere Medizin und Akutgeriatrie, eine geriatrische Rehabilitation mit 60 Betten, Psychosomatik sowie Pflege- und ambulante Versorgungsangebote. Schon die frühere Medizinstrategie für den Standort setzte auf eine Konzentration von Akutgeriatrie, geriatrischer Rehabilitation, Psychosomatik sowie stationärer und ambulanter Pflege.
Aus Patientensicht könnte daraus ein überzeugendes Versorgungskonzept entstehen.
Ein älterer Mensch mit Pneumonie, Flüssigkeitsmangel, Harnwegsinfekt, Herzinsuffizienz oder einer anderen nicht komplexen internistischen Erkrankung müsste nicht zwangsläufig in ein größeres Krankenhaus gebracht werden. Er könnte wohnortnah in Ebermannstadt aufgenommen und behandelt werden.
Besteht anschließend Rehabilitations- oder Pflegebedarf, befinden sich entsprechende Angebote bereits am selben Standort.
Der Versorgungspfad könnte damit wesentlich stärker aus einem Guss gedacht werden:
Akute internistische Behandlung → Akutgeriatrie → geriatrische Rehabilitation → Pflege bzw. ambulante Weiterbetreuung.
In einer älter werdenden Bevölkerung ist es möglicherweise wertvoller als der Versuch, an jedem Standort weiterhin möglichst viele hochspezialisierte Krankenhausleistungen vorzuhalten.
Die Simulation des Datenanalyseunternehmens mediqon, eines der wenigen Anbieter, die sektorübergreifende Betrachtungen ermöglichen, bestätigt: Während die Einwohnerzahl des Landkreises Forchheim von 115.980 im Jahr 2025 bis 2035 lediglich um rund 2 Prozent auf etwa 117.830 Einwohner zunimmt, wird für die vertragsärztliche Versorgung ein Anstieg der Fallzahl um rund 4 Prozent prognostiziert. Deutlich stärker entwickelt sich der Pflegebedarf: Dieser steigt von 6.728 im Jahr 2025 um 799 beziehungsweise rund 12 Prozent auf 7.527 im Jahr 2035. (Methodik: Berechnungen basieren auf Einwohnerstatistik, DRG-Statistik 2024 (Hauptdiagnosen), Vollstationäre Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern (einschl. Sterbe- und Stundenfälle) Hauptdiagnosen (ICO-3-Steller) nach Wohnort der Patienten (Kreisebene) nach Altersgruppen und Geschlecht, DRG-Statistik 2024 (DRG) Vollstationäre Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern (einschl. Sterbe- und Stundenfälle) DRG nach dem Wohnort der Patienten (Kreisebene) nach Altersgruppen, Qualitätsberichte 2024 der Krankenhäuser gemäß§ 137 SGB V.)

Ein 50-Betten-SüV als denkbares Modell
Für Ebermannstadt wäre deshalb ein Modell mit 50 finanzierungsrelevanten SüV-Betten für Innere Medizin und Akutgeriatrie für prüfenswert. Die Psychosomatik, geriatrische Rehabilitation und Pflegeangebote würden dabei nicht in der Regio-Klinik aufgehen, sondern eigenständige Säulen des Gesundheitsstandorts bleiben.
Auch die neue Finanzierung macht ein solches Modell interessant. Für 50 finanzierungsrelevante Betten ergibt sich nach der neuen Vergütungssystematik eine jährliche Strukturpauschale von rund 9,14 Millionen Euro. Hinzu kommen 95 Euro je belegtem Bett und Behandlungstag. Voraussetzung für die ungekürzte Strukturpauschale sind bei 50 Betten mindestens 1.500 anrechenbare stationäre Fälle pro Jahr.
Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht, dass ein SüV in Ebermannstadt automatisch wirtschaftlich wäre. Noch fehlen entscheidende Daten:
- Wie viele der nach dem Weggang der Kardiologie verbleibenden Fälle erfüllen tatsächlich die SüV-Kriterien?
- Welche Belegung wäre erreichbar?
- Wie hoch wäre der Personalbedarf? Und wie viele Patienten müssten anschließend doch nach Forchheim oder in ein anderes Krankenhaus verlegt werden?
Diese letzte Frage ist wichtig. Ein SüV sollte möglichst die Patienten aufnehmen, die dort auch fallabschließend versorgt werden können. Komplexe Notfälle – etwa Herzinfarkt mit Interventionsbedarf, Schlaganfall oder intensivpflichtige Erkrankungen – müssten dagegen von Anfang an direkt in das dafür geeignete Krankenhaus gebracht werden.
Nicht weniger Versorgung, sondern passendere Versorgung
Die Diskussion über die Zukunft kleiner Krankenhausstandorte wird häufig auf die Frage zugespitzt: Bleibt das Krankenhaus oder wird es geschlossen?
Eine Regio-Klinik eröffnet eine dritte Möglichkeit.
Braucht es dort erneut eine breite hochspezialisierte Akutmedizin? Oder braucht die Region vielmehr einen verlässlichen Versorgungsstandort für ältere und multimorbide Menschen, für häufige internistische Erkrankungen, Akutgeriatrie, Rehabilitation, Pflege und ambulante Medizin, ergänzt um einen klar definierten Zugang für den Rettungsdienst?
Forchheim könnte parallel die komplexere akutstationäre Versorgung, Kardiologie, Intensivmedizin und spezialisierte Notfallversorgung bündeln.
So betrachtet wäre ein SüV in Ebermannstadt kein Minderung des Standorts, sondern seine konsequente Weiterentwicklung.
Die neue Vergütungsvereinbarung bietet erstmals die finanzielle Grundlage, eine solche Idee ernsthaft zu prüfen. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, den Standort Ebermannstadt nicht ausschließlich aus der Perspektive seiner bisherigen Krankenhausstruktur zu betrachten, sondern vom zukünftigen Versorgungsbedarf der Bevölkerung der Fränkischen Schweiz aus zu denken.