Alle sagen Ja zum Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, doch wie gesund ist die Versorgung im Landkreis Forchheim wirklich?

Ebermannstadt, 29.01.2026 – Auf einer Podiumsdiskussion der Nordbayerischen Nachrichten stellten sich die anwesenden Landratskandidaten Martin Distler (Grüne), Oliver Flake (CSU), Alexandra Prechtel (SPD) und Hanngörg Zimmermann (FW) Fragen zu verschiedenen Themenbereichen, u. a. Verkehr, Tourismus, Kreisentwicklung, Haushalt und vieles mehr.

Sollen die zwei Standorte des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz in Forchheim und Ebermannstadt erhalten bleiben? Diese Frage beantworteten alle Diskussionsteilnehmer mit ‚Ja‘.

Was haben sie sonst noch zur Gesundheitsversorgung gesagt?

Am 8. März 2026 sind Kommunalwahlen in Bayern und der bisherige Landrat Dr. Hermann Ulm tritt nicht erneut an. Das Thema Gesundheit ist eine Aufgabe des Landkreises Forchheim, genauer: Er ist gesetzlich für den öffentlichen Gesundheitsdienst zuständig und erfüllt diese Aufgabe über das Gesundheitsamt auf Grundlage des Bayerischen Gesundheitsdienstgesetzes (BayGDG) und des Infektionsschutzgesetzes (IfSG). Er koordiniert Prävention, Gesundheitsförderung, Pflege- und Versorgungsstrukturen, etwa über die GesundheitsregionPlus, und handelt dabei als untere staatliche Gesundheitsbehörde. Zudem trägt der Landkreis Verantwortung für Rettungsdienst und Katastrophenschutz sowie für die Sicherstellung der gesundheitlichen Daseinsvorsorge auf regionaler Ebene.

Martin Distler

Gefragt, wie er als Landrat mit dem Thema Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz angesichts der strukturellen Haushaltskrise umgehen würde, machte Martin Distler deutlich, dass sich die finanzielle Krise des Klinikums weiter fortsetzen werde und erst ab 2027 spürbare Effekte von Gegenmaßnahmen zu erwarten seien. „Und das heißt, eine ganz klare Analyse unter Gegebenheiten der Bundespolitik, was können wir uns noch leisten?“ Er spricht sich für den Erhalt einer guten Basisversorgung an beiden Standorten, einschließlich Ebermannstadt und insbesondere der Geburtshilfe, sowie für gezielte Investitionen aus, lehnt aber eine Privatisierung des Klinikums entschieden ab. Ziel müsse eine eigenständige, wohnortnahe Gesundheitsversorgung in kommunaler Hand bleiben, auch wenn nicht mehr alle Leistungen finanzierbar seien.

Oliver Flake

Auf die Frage „Wie würden Sie als Landrat wohnortnahe Gesundheitsangebote erhalten?“ antwortete Oliver Flake, dass wohnortnahe Gesundheitsversorgung nur gesichert werden kann, wenn Ärzte und Apotheken wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen vorfinden. Hausärzte seien Unternehmer, weshalb Landkreis und Kommunen gemeinsam Anreize und verlässliche Strukturen für Niederlassung, Betrieb und Reinvestitionen schaffen müssten. Dazu gehörten neben den Kliniken auch Apotheken, die zunehmend unter Druck geraten, nicht zuletzt durch die Bequemlichkeit von Online-Angeboten.

Alexandra Prechtel

Alexandra Prechtel unterstrich die Verantwortung des Landratsamts, durch schnelle und unbürokratische Genehmigungen sowie gezielte Standortanalysen die Ansiedlung von Ärzten und Apotheken zu unterstützen. Wichtig seien außerdem koordinierte Gespräche mit Gemeinden, etwa beim Aufbau medizinischer Versorgungszentren, einschließlich gemeinsamer Personalsuche. Als zentralen Erfolgsfaktor hebt sie die Rolle des Klinikums Forchheim in der Landarzt- und Nachwuchsausbildung hervor, die unbedingt fortgeführt werden müsse.

Hanngörg Zimmermann

Hanngörg Zimmermann merkte an, dass die Sicherung der hausärztlichen Versorgung stark von lokalen Rahmenbedingungen abhänge und nicht jede Gemeinde das gleiche Glück wie Gößweinstein oder Pottenstein hat. (Für die dortige Hausarztpraxis von Dr. Franz Macht hat sich ein Nachfolger gefunden.) Entscheidend für die Sicherung der ambulanten Versorgung seien eine funktionierende Infrastruktur, eine frühzeitige Kommunikation frei werdender Arztstellen und die Bündelung von Versorgungsangeboten. Da die Ausbildung zunehmend direkt in den Arztpraxen stattfindet, brauche es gezielte Unterstützung und enge Zusammenarbeit mit den Praxisinhabern. Als zentrales Instrument zur Koordination, Nachwuchsgewinnung und Standortattraktivität nennt er die GesundheitsregionPlus des Landkreises.

Welche Projekte und welche innovativen Ideen verfolgen Sie bei der hausärztlichen Versorgung?

Ich (FDP-Kreisratskandidatin) sehe die bestehenden Möglichkeiten der hausärztlichen Versorgung im Landkreis Forchheim kritisch (nicht in FO, nicht in EBS, vor allem im süd-östlichen Teil) und forderte angesichts der künftigen stärkeren Rolle der Primärversorgung innovative Pilotprojekte wie Community Health Nurses oder Gesundheitsversorgungszentren, insbesondere für ländliche Räume.

Meine Frage an die Kandidaten: Welche Projekte und welche innovativen Ideen verfolgen Sie?
Martin Distler zeigte sich offen für die genannten Modelle und sieht Potenzial in multifunktionalen Versorgungszentren mit Förderzugang, während Oliver Flake davor warnte, den Hausarzt durch neue Strukturen zu schwächen und es unwirtschaftlich für ihn zu machen, und stattdessen für eine gezielte Stärkung und Attraktivitätssteigerung der Landarztpraxen plädierte.

Hanngörg Zimmermann fand den Kompromiss, dass es beides brauche: eigenständige Landärzte und ergänzende Versorgungsangebote, entwickelt im engen Dialog, vernetzt und differenziert nach regionalem Bedarf.

Gesundheitsfürsorge spielte auch in die Bereiche Altenpflege und Jugendfürsorge hinein. Hier wurden unisono vor allem präventive Maßnahmen angestrebt.

Zum Abschluss gab eine noch eine Frage an die Zuschauer: Sind Sie mit der medizinischen Versorgung im Landkreis Forchheim zufrieden? Die Mehrheit zeigte die grüne Karte, also ‚Ja‘.

Veröffentlicht von Franka Struve-Waasner

Diplom-Kauffrau Franka Struve-Waasner ist zweifache Mutter und arbeitete knapp sechs Jahre als Pressesprecherin des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz. Nach einer Station als Referentin Kommunikation beim Klinikum Neumarkt ist sie heute freiberuflich für verschiedene Unternehmen, wie das Krankenhausanalyseunternehmen BinDoc GmbH oder die Informationsplattform Health&Care Management in der Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, aktiv. Sie ist in vielfältiger Weise u.a. im Städtepartnerschaftskomitée Forchheim-Le Perreux oder DAV Sektion Forchheim engagiert. Sie ist verantwortlich für den Inhalt auf dieser Seite. Kontakt und Anschrift: franka_struve@web.de; Dreifaltigkeitsweg 1a, 91301 Forchheim

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